Interview mit Eckhard Schade: „Trauer braucht Zeit – und einen Ort ohne Terminzwang“

Eckhard Schade führt ein inhabergeführtes Bestattungshaus in Nordhausen und im Harz. Im Gespräch erklärt er, wie er sein Unternehmen positioniert hat, warum Räumlichkeiten für ihn Teil der Dienstleistung sind und was Sie als Gründer aus seinem Weg lernen können, gerade dann, wenn Sie selbst in einem emotional anspruchsvollen Markt unterwegs sind.

Eckhard Schade über inhabergeführte Dienstleistung im Trauerfall

Schade hat seinen Hauptstandort nach eigenen Angaben in der ehemaligen Probstei in der Stolberger Straße 35 in Nordhausen aufgebaut. Ein zweiter Standort liegt in Harztor, Ortsteil Neustadt, in der Badestraße 19. Das Unternehmen tritt bewusst persönlich auf. Auf seiner Website spricht er in der Ich-Form, kündigt Räume ohne Terminzwang an und distanziert sich von „düsteren Friedhofskapellen“. Für Sie als Gründer ist das ein lehrreiches Beispiel dafür, wie eine klare Haltung des Inhabers ein Dienstleistungsangebot prägt und wie eine würdevolle Bestattung in Nordhausen als Versprechen über die reine Leistungsbeschreibung hinausgeht.

„Herr Schade, was war für Sie der Auslöser, das Unternehmen so persönlich aufzustellen?“

Schade beschreibt seine Motivation pragmatisch. Trauernde Angehörige bräuchten Ruhe, Zeit und einen Ort, der nicht nach Behörde, sondern nach Mensch wirke. Mit dem Einzug in die ehemalige Probstei habe er sich bewusst Räumlichkeiten gesucht, in denen Angehörige ohne Terminzwang Abschied nehmen können. „Das ist zugleich eine Geschäftsentscheidung“, so Schade. Wer sich in einem emotional aufgeladenen Markt differenzieren wolle, müsse das Produkt vom Raum her denken und nicht vom Prospekt.

„Was zählt im Trauerfall organisatorisch wirklich?“

Im Interview betont Schade, dass Angehörige in der akuten Situation vor allem Orientierung brauchen. Bevor über Details gesprochen werde, müsse klar sein, welche Schritte überhaupt anstehen. Aus seiner Praxis lassen sich einige Themen zusammenfassen, die fast immer aufkommen.

  • Überführung und hygienische Versorgung des Verstorbenen
  • Klärung von Formalitäten mit Behörden, Standesamt und Versicherungen
  • Planung der Trauerfeier und Auswahl der Bestattungsart
  • Organisation der Beisetzung und Begleitung am Tag selbst

Diese Punkte seien, so Schade, der eigentliche Kern der Dienstleistung. Aufgabe des Bestatters sei es, Familien durch diese Schritte zu führen, ohne sie zu überfordern.

„Was unterscheidet Ihr inhabergeführtes Haus von größeren Anbietern?“

Schade verweist auf den unmittelbaren Kontakt zwischen Inhaber und Familie. In einem inhabergeführten Betrieb sei der Ansprechpartner derselbe, der auch die Verantwortung trage. Für Sie als Gründer ist das ein klassischer Positionierungsvorteil. Persönliche Verantwortung wird sichtbar, Entscheidungen können schneller getroffen werden, und das Unternehmen kann eine eigene Tonalität entwickeln, statt sich an Konzernvorgaben zu orientieren. In Dienstleistungsmärkten mit hohem Vertrauensbedarf kann dieser Hebel ökonomisch relevant sein.

„Welche Lehren können Gründer aus Ihrem Beispiel ziehen?“

Aus dem Gespräch lassen sich drei Beobachtungen ableiten. Räume und Atmosphäre sind in Dienstleistungsbranchen kein Beiwerk, sondern Teil des Produkts. Wer eine ehemalige Probstei zur Aufbahrungs- und Beratungsfläche umwidmet, schafft ein Erlebnisversprechen, das sich vom Wettbewerb abheben kann. Ein klar formulierter Verzicht, etwa auf Terminzwang, kann stärker positionieren als jede Liste zusätzlicher Leistungen. Und inhabergeführte Marken profitieren davon, wenn die Person hinter dem Unternehmen sichtbar wird, in Tonalität, Texten und Auftritt.

„Wie gehen Sie in Ihrem Betrieb mit dem Thema Vorsorge um?“

Vorsorge ist laut Schade ein Thema, das viele Menschen aus nachvollziehbaren Gründen aufschieben. Für Selbstständige und Unternehmer sei es jedoch besonders relevant, weil im Trauerfall nicht nur private, sondern auch betriebliche Folgen entstehen können. Schade rät dazu, persönliche Wünsche frühzeitig festzuhalten und mit der Familie zu besprechen. Die konkrete Ausgestaltung etwa zur Bestattungsart oder zur Form der Trauerfeier bespricht sein Haus in ruhigen Beratungsterminen in den eigenen Räumlichkeiten.

Was Gründer aus Nordhausen mitnehmen können

Das Beispiel Schade zeigt, dass auch in traditionsreichen Branchen unternehmerische Gestaltung möglich ist. Eine klare Haltung, ein durchdachter Standort und eine persönliche Ansprache können den Unterschied machen, nicht laute Werbung. Wenn Sie ein Dienstleistungsunternehmen aufbauen, lohnt sich der Blick auf solche inhabergeführten Häuser. Sie zeigen, wie Positionierung aus dem Alltag heraus entstehen kann statt am Reißbrett. Und sie erinnern daran, dass auch unbequeme Themen wie Trauer und Abschied unternehmerisch mit Würde, Klarheit und Substanz beantwortet werden können.




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