Interview mit Bestatter Werner Schwarz: Wenn der CEO plötzlich fehlt – Warum der Tod im Businessplan kein Tabu sein darf

Das Mindset eines Gründers ist auf Wachstum, Skalierung und Zukunft programmiert. Der Tod ist das genaue Gegenteil dieser Dynamik und wird deshalb in der Startup-Szene oft konsequent verdrängt. Doch dieses Schweigen birgt ein enormes operatives Risiko: das sogenannte „Key-Man-Risk“. Was passiert mit laufenden Finanzierungsrunden, Server-Zugängen und der Vision, wenn der Kopf des Unternehmens plötzlich ausfällt? Ohne Vorsorge hinterlässt ein Gründer oft nicht nur Trauer, sondern ein handlungsunfähiges Chaos, das die Existenz der Firma bedroht.

Um dieses sensible, aber geschäftskritische Thema zu beleuchten, spricht gruendertalk.com mit Werner Schwarz, Geschäftsführer der Schwarz Bestattungsdienst GmbH, einem Bestattungsunternehmen bei München. Er ist nicht nur Experte für den würdevollen Abschied, sondern berät Menschen dabei, Verantwortung über das eigene Leben hinaus zu übernehmen. Wir klären, warum Bestattungsvorsorge modernes Risikomanagement ist und wie man seinen digitalen Nachlass sichert. 

gruendertalk.com: Herr Schwarz, Gründer beschäftigen sich intensiv mit dem „Exit“ im Sinne eines Unternehmensverkaufs, aber selten mit dem endgültigen Exit. Warum ist das Thema Tod und Vorsorge für junge, dynamische Unternehmer überhaupt relevant?

Werner Schwarz: Weil der Tod keine Rücksicht auf Businesspläne oder das Alter nimmt. In meiner täglichen Arbeit sehe ich oft, was passiert, wenn nichts geregelt ist: Das Chaos ist für die Hinterbliebenen und Geschäftspartner immens. Für einen Gründer ist das Unternehmen oft das Lebenswerk. Wenn der Geschäftsführer plötzlich verstirbt und keine klaren Vollmachten oder Handlungsanweisungen vorliegen, ist die Firma von einer Sekunde auf die andere handlungsunfähig. Konten werden gesperrt, Entscheidungen können nicht getroffen werden, Gehälter nicht ausgezahlt werden. Vorsorge zu treffen ist also kein Pessimismus, sondern eine essenzielle Form der Verantwortungssicherung für das Unternehmen und die Mitarbeiter.

gruendertalk.com: Startups leben heute fast ausschließlich in der Cloud und digital. Was passiert eigentlich mit Social-Media-Accounts, Krypto-Wallets oder Server-Zugängen, wenn hier nichts geregelt ist?

Werner Schwarz: Das ist ein riesiges Problem, das wir als „Digitalen Nachlass“ bezeichnen. Früher suchten Erben nach dem Aktenschrank im Arbeitszimmer. Heute liegen die Vermögenswerte und kritischen Daten auf Servern in Übersee, geschützt durch Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierungen, die auf dem Smartphone des Verstorbenen landen , das oft ebenfalls gesperrt ist. Wenn niemand Zugriff auf die Domain-Verwaltung oder die Cloud-Infrastruktur hat, kann ein digitales Geschäftsmodell innerhalb von Tagen zusammenbrechen. Gründer müssen dringend festlegen, wer im Notfall Zugriff erhält. Das gehört nicht ins Testament, das oft erst Wochen später eröffnet wird, sondern in einen gesonderten, sicher hinterlegten Notfallplan.

gruendertalk.com: Das Thema wirkt auf viele Menschen erst einmal bedrückend oder „unsexy“. Wie integriert man Bestattungsvorsorge professionell in das eigene Leben, ohne Angst zu verbreiten?

Werner Schwarz: Indem man die Perspektive wechselt: Weg von der Angst, hin zur Selbstbestimmung. Es ist ein Akt der Führungstärke. Genauso wie Sie Versicherungen für das Bürogebäude abschließen, sollten Sie den Ausfall der Führungskraft absichern. Eine Bestattungsvorsorge und die dazugehörigen Verfügungen entlasten im Ernstfall Ihre Familie und Ihre Co-Founder massiv. Wer genau festlegt, wie er bestattet werden möchte und wie das „Danach“ organisiert sein soll, nimmt seinen Angehörigen in einer extremen psychischen Ausnahmesituation die schwersten Entscheidungen ab. Das ist der letzte Dienst, den man seinem Team und seiner Familie erweisen kann.

gruendertalk.com: Sie führen selbst ein Unternehmen in einer sehr traditionellen Branche. Was können Gründer von einem modernen Bestatter über Kundenorientierung und Wandel lernen?

Werner Schwarz: Dass Empathie und Dienstleistung immer an erster Stelle stehen müssen, egal wie digital die Welt wird. Auch unsere Branche wandelt sich stark; Bestattungen werden individueller, bunter und digitaler. Wir müssen genau zuhören, was die Menschen wirklich wollen, statt Schema F anzubieten. Für Gründer gilt dasselbe: Ein Produkt ist nur dann erfolgreich, wenn es ein echtes menschliches Bedürfnis löst. Und in Krisenzeiten – sei es im Business oder bei einem Trauerfall , zählt am Ende die menschliche Verlässlichkeit mehr als jedes Feature.

gruendertalk.com: Zum Abschluss: Welchen konkreten ersten Schritt raten Sie jedem Gründer oder jeder Gründerin, die heute Abend den Laptop zuklappt?

Werner Schwarz: Schieben Sie es nicht auf die lange Bank. Erstellen Sie einen „Notfallkoffer“ , physisch oder digital. Darin gehören: Eine Vorsorgevollmacht, damit das Unternehmen handlungsfähig bleibt, eine Übersicht über die wichtigsten digitalen Zugänge und idealerweise ein Bestattungsvorsorgevertrag, der Ihre persönlichen Wünsche regelt. Sobald das erledigt ist, können Sie den Ordner schließen und sich mit einem freien Kopf und dem guten Gefühl, alles geregelt zu haben, wieder voll auf das Leben und das Wachstum Ihrer Firma konzentrieren.

gruendertalk.com: Herr Schwarz, wir danken Ihnen für diese wichtigen Einblicke und das Gespräch.

Quelle: Foto von Tarnsocke




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