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Northvolt: Wann ist der Börsengang?

Vom Börsen-Hoffnungsträger zur Insolvenz – Was Unternehmer und Investoren daraus lernen können

Northvolt galt lange Zeit als der große Hoffnungsträger der europäischen Batterieindustrie. Das 2016 gegründete Unternehmen aus Schweden wollte nicht weniger, als Europas Antwort auf Tesla werden – mit nachhaltigen, in Europa gefertigten Batteriezellen. Der geplante Börsengang war für 2024 vorgesehen, begleitet von enormen Erwartungen und einer Bewertung im zweistelligen Milliardenbereich. Doch nur ein Jahr später steht das Unternehmen vor dem Scherbenhaufen seiner ambitionierten Pläne: Im März 2025 meldete Northvolt Insolvenz an. Ein Ereignis, das weit über die Branche hinaus Wellen schlägt – und wichtige Lehren für Gründer, Investoren und die Politik bereithält.

Die Vision eines grünen Giganten

Northvolt wurde von Peter Carlsson, einem ehemaligen Tesla-Manager, gegründet und positionierte sich von Anfang an als nachhaltige Alternative zu asiatischen Batterieproduzenten. Ziel war es, europäische Autobauer, Energiekonzerne und Industriekunden mit lokal produzierten Batteriezellen zu versorgen. Im Fokus standen Umweltverträglichkeit, geschlossene Recyclingkreisläufe und die Unabhängigkeit Europas von Lieferketten aus Fernost.

Das Unternehmen schloss früh große Partnerschaften mit Volkswagen, BMW, Scania und Siemens, was das Vertrauen in die Vision weiter stärkte. Milliarden an Investitionen flossen in den Aufbau mehrerer Gigafactories – unter anderem in Schweden, Deutschland und Kanada. Die europäische Politik unterstützte das Vorhaben großzügig mit Fördermitteln, schließlich passte Northvolts Konzept perfekt zur grünen Industriepolitik der EU.

Der geplatzte Börsengang

Analysten sprachen von einer möglichen Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar. Die Stimmung am Markt war günstig, nachhaltige Technologien standen hoch im Kurs, und Northvolt war eines der wenigen europäischen Unternehmen, das mit amerikanischen und asiatischen Konkurrenten mithalten konnte – zumindest auf dem Papier.

Ein Börsengang war ursprünglich für das Jahr 2024 geplant.

Doch im Sommer 2024 folgte die erste Ernüchterung: Northvolt verschob den IPO mit Verweis auf „ungünstige Marktbedingungen“. In der Tat hatten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtert. Steigende Zinsen, eine verhaltene Konjunktur und die abnehmende Euphorie rund um grüne Technologien sorgten dafür, dass sich Investoren vorsichtiger zeigten. Der Kapitalmarkt war nicht mehr bereit, die enormen Mittel zu finanzieren, die Northvolt zur Skalierung benötigte.

Hinter der Fassade: Finanzierung und operative Probleme

Die Probleme lagen jedoch tiefer. Zwar hatte Northvolt in mehreren Finanzierungsrunden insgesamt über 13 Milliarden US-Dollar eingesammelt, doch die Mittel reichten nicht aus, um die ehrgeizigen Pläne wie vorgesehen umzusetzen. Der Aufbau der Produktionsstätten verzögerte sich, die Kosten liefen aus dem Ruder, und die technischen Herausforderungen bei der Massenproduktion von Batteriezellen wurden offenbar unterschätzt.

Hinzu kamen Lieferkettenprobleme, Engpässe bei Rohstoffen wie Lithium und ein hoher Energiebedarf, der angesichts steigender Preise in Europa zunehmend zur Belastung wurde. Die Skalierung der Produktion blieb hinter den Erwartungen zurück, während der Cash-Burn weiter anstieg. Neue Finanzierungsrunden wurden immer schwieriger, und so geriet Northvolt zunehmend unter Druck.

Die Insolvenz: Ein Schock mit Ansage?

Im März 2025 folgte dann der formale Insolvenzantrag – ein Paukenschlag für die gesamte Branche. Viele Marktbeobachter waren überrascht, doch rückblickend war der Schritt absehbar. Die Finanzierungslücke konnte nicht mehr geschlossen werden, operative Fortschritte blieben aus, und das Vertrauen vieler Investoren war erschöpft.

Zeitgleich wurde bekannt, dass Northvolt einen Teil seines Geschäfts – konkret die Batteriesparte für schwere Nutzfahrzeuge – an den langjährigen Partner Scania verkauft hatte. Dieser Schritt dürfte Teil eines größeren Plans zur Restrukturierung sein, möglicherweise mit dem Ziel, einzelne Geschäftseinheiten zu retten oder zu verkaufen.

Reaktionen und Folgen

Die Reaktionen auf die Insolvenz fielen heftig aus. Politisch stellt sich die Frage, ob die milliardenschwere Förderung europäischer Batterieprojekte sinnvoll eingesetzt wurde. Für viele gilt Northvolt nun als Symbol für eine Förderpolitik, die ambitioniert war, aber operative Realitäten unterschätzte. In der Wirtschaft beobachtet man die Entwicklung mit Sorge, denn viele Automobilhersteller hatten sich auf Northvolt als strategischen Partner verlassen. Auch zahlreiche Investoren dürften empfindliche Verluste erleiden.

Die Enttäuschung ist groß – nicht nur wegen der Insolvenz, sondern weil Northvolt für eine europäische Industrievision stand, die jetzt ins Wanken gerät.

Bedeutet das das Ende für Europas Batterieambitionen?

Northvolts Scheitern ist ein herber Rückschlag für die europäische Batteriebranche, aber kein Einzelfall. Auch andere Projekte wie ACC in Frankreich oder Farasis Energy in Deutschland kämpfen mit Problemen. Gleichzeitig gewinnen asiatische Produzenten wie CATL oder BYD sowie US-Anbieter weiter an Marktanteilen.

Viele stellen sich nun die Frage, ob es unter den gegebenen Rahmenbedingungen überhaupt möglich ist, eine wettbewerbsfähige Batteriezellenproduktion in Europa aufzubauen. Die Kosten sind hoch, die Bürokratie komplex, und der technologische Vorsprung der Konkurrenz nicht leicht aufzuholen.

Hat Northvolt noch eine Zukunft?

Obwohl das Unternehmen insolvent ist, bedeutet das nicht zwangsläufig das Ende. In vielen Fällen kann durch eine Restrukturierung oder einen Verkauf einzelner Geschäftsbereiche ein Teil der Vision gerettet werden. Es ist auch denkbar, dass ein industrieller Käufer oder ein staatlicher Akteur Teile übernimmt, um die Technologie und Produktionsstandorte zu erhalten.

Ein Börsengang rückt jedoch in weite Ferne. Der Name „Northvolt“ ist nun untrennbar mit einem der größten Industrieflops Europas verbunden – und das Vertrauen ist nachhaltig beschädigt.

Was Unternehmer und Investoren daraus lernen können

Northvolt zeigt eindrücklich, dass große Visionen nicht ausreichen. Ohne operatives Exzellenz, realistische Planung und solide Finanzierung wird auch die beste Idee nicht tragfähig. Der Fall mahnt zur Vorsicht: Zu viel Geld, zu schnell ausgegeben, ohne stabile operative Basis, führt selbst vielversprechende Unternehmen in die Krise.

Für Investoren heißt das: Grüne Technologien bleiben spannend, aber sie erfordern ein sehr genaues Risikomanagement. Und für die Politik: Subventionen müssen mit klaren Kontrollmechanismen verbunden sein – und es braucht mehr Augenmerk auf Umsetzbarkeit und Wettbewerbsvorteile.

Northvolt ist gescheitert. Die europäische Vision darf es nicht.

Bildquellen

  • Northvolt Wann ist der Börsengang: https://northvolt.com/



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