In einer Zeit, in der viele familiengeführte Unternehmen mit der Frage ringen, wie sie sich für die Zukunft aufstellen, gilt das Autohaus Klepmeir GmbH & Co. KG als Beispiel für gelungene Nachfolge im Mittelstand. Seit 1967 ist das beliebte Autohaus in Pfaffenhofen tief in der Region verwurzelt – und zugleich offen für Wandel, Digitalisierung und neue Mobilitätsformen.
Wir haben mit Martin Klepmeir, dem heutigen Geschäftsführer, über seine persönliche Reise ins Familienunternehmen, die Herausforderungen der Nachfolge und seine Sicht auf moderne Führung gesprochen.
gruendertalk.com: Herr Klepmeir, wann war für Sie klar, dass Sie ins Familienunternehmen einsteigen würden?
Martin Klepmeir: Unsere Familie ist seit Generationen mit Mobilität verbunden: Schon in den 1930er-Jahren führte der Vater meines Großvaters, Michael Klepmeir sen., eine kleine Werkstatt für Fahrräder und Motorräder in Winden am Aign. 1967 legte mein Großvater dann mit der Gründung des Autohauses den Grundstein für den heutigen Betrieb – damals mit einem Vertrag mit Fiat, einer Marke, die in dieser Zeit extrem gefragt war. Modelle wie der Fiat 500, der Fiat 1100 oder der Fiat 124, der sogar Auto des Jahres wurde, haben das Geschäft stark geprägt.
Dieses Fundament war für mich nicht nur Geschichte, sondern Motivation. Die Entscheidung, in die Geschäftsführung einzusteigen, war deshalb ein bewusster und gut überlegter Schritt – mit dem Ziel, unsere Tradition in die Zukunft zu führen.
gruendertalk.com: Wie verlief der Übergang von der Vorgängergeneration zur heutigen Geschäftsführung?
Martin Klepmeir: Wir haben das sehr bewusst und über einen längeren Zeitraum gestaltet. Die Übergabe war kein abruptes Abgeben, sondern ein begleiteter Prozess mit klaren Verantwortungsbereichen. Das hat uns ermöglicht, das Wissen der vorherigen Generation zu bewahren, gleichzeitig aber auch neue Impulse zu setzen – etwa im Bereich Digitalisierung oder Kundenbindung. Wichtig war, dass wir ein gemeinsames Ziel vor Augen hatten: das Unternehmen fit für die nächsten Jahrzehnte zu machen und dabei immer die Zufriedenheit unserer Kunden im Blick zu behalten.
gruendertalk.com: Was unterscheidet die Führung eines Familienunternehmens von der eines Konzerns?
Martin Klepmeir: In einem Familienbetrieb ist die Verantwortung sehr direkt spürbar – gegenüber den Mitarbeitenden, den Kunden und der Region. Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Entscheidungen müssen wirtschaftlich tragfähig sein, aber auch zur Identität des Unternehmens passen. Der persönliche Kontakt, das Vertrauen der Stammkundschaft und die langfristige Bindung unserer Mitarbeitenden sind zentrale Werte. In einem Konzern sind solche Dinge oft stärker anonymisiert.
gruendertalk.com: Was waren die größten Herausforderungen beim Generationswechsel?
Martin Klepmeir: Einerseits die Balance zwischen Bewahren und Erneuern. Jeder Wandel bringt auch Widerstand mit sich, das ist normal. Andererseits geht es auch um persönliche Rollenfindung – von der „nächsten Generation“ zur Führungspersönlichkeit. Ich musste lernen, Verantwortung nicht nur technisch, sondern auch menschlich zu übernehmen. Das erfordert Zeit, Reflexion – und ein gutes Team.
gruendertalk.com: Wie sieht moderne Führung für Sie heute aus – gerade im Mittelstand?
Martin Klepmeir: Führung bedeutet heute vor allem Kommunikation. Wir arbeiten mit Menschen, die eigenständig denken, Erwartungen haben und Teil des Ganzen sein wollen. Ich sehe mich nicht als klassisch autoritären Chef, sondern als Teil eines Teams mit klarer Richtung. Transparenz, Wertschätzung und eine offene Fehlerkultur sind für mich zentral – auch wenn das in einer Branche wie unserer nicht immer selbstverständlich ist.
gruendertalk.com: Was raten Sie anderen Familienunternehmen, die vor einem Generationswechsel stehen?
Martin Klepmeir: Frühzeitig ins Gespräch kommen – und nicht nur über Zahlen und Verträge, sondern auch über Werte, Visionen und Rollen. Eine Nachfolge ist keine reine Formalie, sondern ein kultureller Prozess. Wer das zu spät angeht oder auf Konflikte hofft, die sich „von allein“ lösen, riskiert viel. Gleichzeitig sollte die junge Generation den Mut haben, eigene Akzente zu setzen – ohne die Vergangenheit zu verleugnen.
gruendertalk.com: Herr Klepmeir, wir danken Ihnen herzlich für das offene Gespräch und die Einblicke in Ihren persönlichen Weg sowie in die Entwicklung des Autohauses Klepmeir. Ihr Beispiel zeigt, wie verantwortungsvolle Nachfolge im Mittelstand gelingen kann – mit Respekt vor der Geschichte, einem klaren Blick auf die Gegenwart und dem Mut, neue Wege zu gehen.
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