Das Dachdeckerhandwerk ist eine der tragenden Säulen der Baubranche. Angesichts des anhaltenden Baubedarfs und der Notwendigkeit energetischer Sanierungen bietet die Gründung eines eigenen Betriebs eine vielversprechende Perspektive. Der Weg in die Selbstständigkeit ist jedoch mit zahlreichen unternehmerischen und rechtlichen Anforderungen verbunden. Wer ein solides Fundament für den eigenen Betrieb schaffen will, muss weit mehr als nur sein Handwerk beherrschen. Eine sorgfältige Planung ist der erste Schritt zum Erfolg auf dem Dach.
Das Fundament: Meisterbrief und rechtliche Hürden
Im Dachdeckerhandwerk führt kein Weg an der Meisterpflicht vorbei. Wer einen eigenen Betrieb als Dachdecker für Aschaffenburg oder anderswo leiten möchte, muss in der Regel einen Meisterbrief vorweisen können. Diese Qualifikation ist in der Handwerksordnung verankert und dient als Nachweis für die fachliche und betriebswirtschaftliche Kompetenz. Alternativ besteht die Möglichkeit, einen Betriebsleiter mit Meistertitel in Vollzeit einzustellen.
Ist diese erste Hürde genommen, folgt die formale Gründung. Der Betrieb muss bei der zuständigen Handwerkskammer in die Handwerksrolle eingetragen werden. Gleichzeitig ist eine Anmeldung beim Gewerbeamt erforderlich. Daraus ergeben sich weitere Meldepflichten, beispielsweise beim Finanzamt zur steuerlichen Erfassung und bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU), die als Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung fungiert. Diese administrativen Schritte sind das A und O für einen legalen Geschäftsbetrieb.
Der Businessplan: Mehr als eine reine Formsache
Ein durchdachter Businessplan ist das strategische Herzstück jeder Gründung. Er dient nicht nur als Vorlage für Banken und Förderinstitute, sondern auch als Fahrplan für die ersten Geschäftsjahre. Eine genaue Analyse des Marktes am geplanten Standort ist dabei unverzichtbar. Wie hoch ist die Konkurrenz? Welche Nischen gibt es möglicherweise? Spezialisierungen, etwa auf Flachdachabdichtungen, Gründächer oder die Installation von Photovoltaikanlagen, können ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal sein.
Der Businessplan sollte detailliert das Leistungsangebot beschreiben, die Zielgruppe definieren – von privaten Hausbesitzern über Hausverwaltungen bis hin zu Architekten – und eine klare Strategie für die Preisgestaltung enthalten. Die eigenen Stärken und Schwächen sollten realistisch eingeschätzt und mit den Chancen und Risiken des Marktes abgeglichen werden.
Solide Finanzen: Den Kapitalbedarf realistisch planen
Die Gründung eines Dachdeckerbetriebs ist kapitalintensiv. Die Erstausstattung verschlingt schnell eine beträchtliche Summe. Benötigt werden nicht nur gängige Werkzeuge, sondern auch teure Maschinen wie ein Aufzug oder ein Kran. Ein oder mehrere Firmenfahrzeuge sind für den Materialtransport und die Fahrt zu den Baustellen unumgänglich. Hinzu kommen Kosten für die Einrichtung eines Lagers oder einer Werkstatt sowie für das erste Material.
Diese Posten müssen in einem detaillierten Finanzplan erfasst werden. Dieser Plan sollte den gesamten Kapitalbedarf sowie die laufenden Kosten für die ersten Monate abbilden. Zur Finanzierung können Eigenkapital, Kredite von Banken oder Förderdarlehen, zum Beispiel von der KfW-Bank, genutzt werden. Eine solide Planung der Liquidität hilft, finanzielle Engpässe nach dem Start zu vermeiden.
Sichtbarkeit am Markt: Kunden gewinnen und binden
Ein frisch gegründeter Betrieb muss auf sich aufmerksam machen, um die ersten Aufträge zu erhalten. Eine professionell gestaltete Webseite ist heute eine digitale Visitenkarte, die das Leistungsspektrum und Referenzen präsentiert. Lokale Werbemaßnahmen, etwa Anzeigen in regionalen Zeitungen oder die Verteilung von Flyern, können ebenfalls zur Bekanntheit beitragen.
Besonders wertvoll ist der Aufbau eines Netzwerks. Kontakte zu Architekten, Bauträgern, Immobilienverwaltungen und anderen Handwerksbetrieben können zu Kooperationen und Aufträgen führen. Langfristig ist die beste Werbung jedoch eine qualitativ hochwertige Arbeit. Zufriedene Kunden werden den Betrieb weiterempfehlen und so für einen stetigen Auftragsfluss sorgen.
Schutz vor dem Sturm: Unverzichtbare Versicherungen
Das Arbeiten auf dem Dach birgt Risiken – für die Mitarbeiter und für das Eigentum der Kunden. Ein umfassender Versicherungsschutz ist daher nicht verhandelbar. Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist absolut notwendig. Sie springt ein, wenn durch die Arbeiten Schäden am Gebäude des Kunden oder an Dritten entstehen, beispielsweise durch herabfallende Ziegel.
Für die Angestellten ist die gesetzliche Unfallversicherung über die BG BAU Pflicht. Zusätzlich sollte über eine Inhaltsversicherung für die Werkstatt und eine Absicherung der teuren Maschinen und Fahrzeuge nachgedacht werden. Diese Policen schützen das junge Unternehmen vor existenziellen finanziellen Belastungen im Schadensfall.
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Bildquellen: https://unsplash.com/de/fotos/ein-mann-bei-der-arbeit-auf-einem-dach-mit-bohrmaschine-ACnFSTBlnts
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