Wie gelingt eine Unternehmensnachfolge über Generationen hinweg? Ein Betrieb aus Teningen bei Freiburg zeigt es besonders eindrücklich: Seit 1886 fertigt die traditionsreiche Schreinerei in Freiburg Möbel, Fenster und Türen nach Maß inzwischen in der fünften Generation. Der Schlüssel liegt laut Familie Gebhardt in drei Dingen: früher Einbindung der Nachfolge, klarer Rollenverteilung und konsequenter Spezialisierung. Im Gespräch erzählen Schreinermeister Andreas Gebhardt und sein Sohn Ivo Gebhardt, wie aus einem kleinen Reparaturbetrieb ein moderner Familienbetrieb wurde und was du als Gründerin oder Gründer daraus lernen kannst.
Vom Reparaturbetrieb zum Fachbetrieb für Fenster, Türen und Möbel
Herr Gebhardt, Ihr Betrieb existiert seit 1886. Wie hat alles angefangen?
„Mein Urgroßvater Wilhelm-Friedrich Gebhardt hat die Schreinerei 1886 gegründet. Damals ging es vor allem darum, Möbel zu reparieren, neue Einrichtungen waren eher die Ausnahme. Interessant ist, dass er schon damals im Fenster- und Türenbau tätig war er hatte also früh ein Gespür dafür, wohin sich das Handwerk entwickeln könnte“, erzählt Andreas Gebhardt. Über die folgenden Generationen wurde die Werkstatt kontinuierlich ausgebaut und bis zum heutigen Standort am Vogtsmattenweg in Teningen bei Freiburg weiterentwickelt.
Ausbildung als Konstante über fast 150 Jahre
Ausbildung spielt bei Ihnen offenbar seit langem eine große Rolle.
„Ja, das erste Mal hat mein Vater 1975 einen Lehrling eingestellt. Seitdem haben insgesamt 27 junge Menschen bei uns das Schreinerhandwerk gelernt. Für einen kleinen Familienbetrieb ist das eine ganze Menge und es zeigt, dass Ausbildung für uns kein Lippenbekenntnis ist, sondern Teil der Firmenkultur“, so Gebhardt weiter.
Wenn du selbst über Fachkräftesicherung nachdenkst, steckt darin eine wichtige Lehre: Kontinuität in der Ausbildung bindet Fachkräfte langfristig an den Betrieb und sichert Wissen, das sonst mit einzelnen Mitarbeitenden verloren ginge. Wer als Handwerker den Schritt vom Solo-Betrieb zum Arbeitgeber wagt, findet hier wertvolle Orientierung.
Der eigene Weg in die Geschäftsführung
Wie sind Sie selbst in den Betrieb eingestiegen?
„Ich bin 1990 eingestiegen und habe 1992 meine Meisterprüfung abgelegt. Später habe ich die Geschäftsführung übernommen. Mir war wichtig, den Betrieb technisch zu modernisieren und das Angebot im Bereich Fenster und Türen auszubauen, ohne die handwerkliche Qualität zu verlieren, für die mein Vater und mein Großvater standen“, erklärt Andreas Gebhardt.
Dabei war es ihm wichtig, Aufgaben im Betrieb nach Kompetenz statt nach reiner Tradition zu verteilen: Während er selbst sich auf Fenster und Türen konzentrierte, entwickelte sich der Bereich Möbelbau über die Jahre zu einem eigenen Schwerpunkt ein Prinzip der klaren Aufgabenteilung, das sich bis heute in der Zusammenarbeit der Familie widerspiegelt.
Die fünfte Generation übernimmt Verantwortung
Herr Ivo Gebhardt, Sie sind seit 2023 im Betrieb. Wie kam es dazu?
„Ich bin mit der Werkstatt aufgewachsen und wusste relativ früh, dass ich den Weg meines Vaters und meiner Vorfahren fortsetzen möchte. Seit 2023 bringe ich mich aktiv ein und kümmere mich vor allem um den Möbelbau. Mir ist wichtig, handwerkliche Präzision mit zeitgemäßem Design zu verbinden also die Basis zu erhalten, aber neue Impulse zu setzen“, sagt Ivo Gebhardt.
Diese Verbindung aus Tradition und modernem Anspruch ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich das Handwerk zwischen Mörtel und Megabytes zu modernem Unternehmertum entwickelt. Für den Vater bedeutet das vor allem eines: schrittweise Verantwortung abzugeben, ohne die Qualität aus der Hand zu geben. „Wir sprechen viel miteinander, planen gemeinsam Projekte, und ich lasse ihm bewusst Freiraum für eigene Ideen“, ergänzt Andreas Gebhardt.
Leistungsspektrum: mehr als klassische Tischlerarbeit
Das Angebot der Schreinerei Gebhardt ist über die Generationen deutlich gewachsen. Neben klassischen Möbeln nach Maß gehören heute auch Fenster, Haus- und Innentüren, Insektenschutzlösungen, Konzepte für gesunden Schlaf sowie individuelle Raumgestaltung zum Portfolio. Damit deckt der Betrieb aus Teningen bei Freiburg ein breites Spektrum ab, das von der einzelnen Maßanfertigung bis zur kompletten Innenraumplanung reicht:
- Fenster und Haustüren aus Holz, Aluminium, Kunststoff oder Kombinationen
- Innentüren nach individuellem Raumkonzept
- Möbel und Einbaulösungen nach Maß
- Insektenschutz für Fenster, Türen und Lichtschächte
- Beratung zu gesundem Schlaf und Raumgestaltung
Diese Bandbreite ist auch strategisch zu verstehen: Statt sich auf ein einzelnes Produkt zu verlassen, hat sich der Betrieb mehrere Standbeine aufgebaut, die sich gegenseitig ergänzen und wirtschaftlich absichern ein Prinzip, das auch für junge Unternehmen relevant ist, die ihr Angebot diversifizieren wollen. Wer sich zum Beispiel als Komplettanbieter im Wachstumsmarkt Badsanierung positionieren möchte, kann von dieser Herangehensweise profitieren.

Blick in die Zukunft: Was als Nächstes geplant ist
Wohin soll sich der Betrieb in den nächsten Jahren entwickeln?
„Wir wollen die Verbindung aus Handwerk und moderner Planung weiter ausbauen, etwa durch 3D-Entwürfe, mit denen Kunden ihre künftigen Räume schon vor der Fertigung erleben können“, sagt Ivo Gebhardt. Sein Vater ergänzt: „Gleichzeitig bleibt die persönliche Beratung unser Kern. Wachstum ist für uns kein Selbstzweck wichtiger ist, dass jedes Projekt zu den Menschen passt, die später darin leben oder arbeiten.“
Für den Betrieb aus Teningen bedeutet das: mehr Digitalisierung in der Planung, aber keine Abkehr von der handwerklichen Maßarbeit, die den Familienbetrieb seit 1886 auszeichnet. Wer seine Abläufe modernisieren will, findet in sieben Tipps zur Prozessoptimierung im Handwerk praktische Ansätze.
Was Gründer aus diesem Generationswechsel lernen können
Der Fall der Schreinerei Gebhardt zeigt exemplarisch, worauf es bei einer gelungenen Unternehmensnachfolge ankommt unabhängig davon, ob es sich um einen Handwerksbetrieb oder ein junges Start-up handelt. Drei Faktoren stechen dabei besonders hervor.
| Erfolgsfaktor | Was das konkret bedeutet |
| Frühe Einbindung der Nachfolge | Ivo Gebhardt wuchs im Betrieb auf und übernahm erst nach und nach konkrete Verantwortung, statt abrupt an die Spitze zu treten. |
| Klare Rollenverteilung | Andreas Gebhardt fokussiert Fenster und Türen, Ivo Gebhardt den Möbelbau. |
| Differenzierung über Spezialisierung | Individuelle Maßarbeit statt Serienware schafft ein Alleinstellungsmerkmal, das schwer kopierbar ist. |
Für dich als Gründerin oder Gründer, die selbst über eine Nachfolge oder den Aufbau eines Familienunternehmens nachdenken, liefert dieses Beispiel einen wichtigen Hinweis: Kontinuität entsteht nicht automatisch durch eine lange Firmengeschichte, sondern durch bewusste Entscheidungen bei Rollenverteilung, Ausbildung und Positionierung. Wer diese drei Prinzipien früh im eigenen Unternehmen verankert, schafft eine Grundlage, die auch über einen einzelnen Generationswechsel hinaus trägt.
Häufige Fragen zum Generationswechsel im Handwerk
Seit wann gibt es die Schreinerei Gebhardt?
Der Betrieb wurde 1886 von Wilhelm-Friedrich Gebhardt gegründet und wird seither als Familienunternehmen weitergeführt, aktuell in der fünften Generation.
Wer führt den Betrieb heute?
Aktuell liegt die Geschäftsführung bei Andreas Gebhardt in vierter Generation, unterstützt von seinem Sohn Ivo Gebhardt, der seit 2023 die fünfte Generation vertritt und den Möbelbau verantwortet.
Was macht Nachfolge im Handwerk besonders schwierig?
Handwerkliches Wissen lässt sich nicht allein aus Dokumenten übernehmen, sondern muss über Jahre in der Praxis weitergegeben werden. Deshalb ist eine frühe, schrittweise Einbindung der nächsten Generation entscheidend, statt eine plötzliche Übergabe zu einem einzelnen Stichtag.
Welche Leistungen bietet die Schreinerei Gebhardt an?
Das Angebot umfasst Möbel nach Maß, Fenster, Haus- und Innentüren, Insektenschutz, Konzepte für gesunden Schlaf sowie individuelle Raumgestaltung für Privatkunden, Bauherren und Unternehmen im Raum Freiburg.
Lass uns sprechen!
Du bist Gründer, Unternternehmer oder hast ein Startup? Dann lass und gerne über deine Vision sprechen und mit unseren Lesern teilen!